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Das Nationale Kompetenzzentrum Boden als Gewinn für Landwirt-schaft, Raumplanung und Hochwasserschutz

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Ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung, heute und hier zu Ihnen sprechen zu dürfen und ich bedanke mich herzlich bei den Organisatoren, dass sie diesen Anlass auf die Beine gestellt haben. Ich finde diesen Anlass grossartig. Es haben sich fast 300 Leute zusammengefunden, um über den Boden zu reden. 300 Leute, die mit beiden Beinen auf ebendiesem Boden stehen, weil sie ihn nutzen. Weil er ihre wichtigste Produktionsgrundlage ist. Der Boden ist, natürlich neben der Sonne, auf die wir aber wenig Einfluss haben, die wichtigste Produktionsgrundlage der Landwirtschaft. Und der Boden steht in einem enormen Spannungsfeld der verschiedensten Nutzungen.

Sie kennen die Statistiken. Es verschwindet Boden, Tag für Tag, weil er überbaut wird. Und meistens wird dort gebaut, wo auch die landwirtschaftliche Produktion ideale Böden vorfindet – oder eben vorgefunden hat. 3‘500 ha landwirtschaftliche Produktionsfläche sind verschwunden, seit 1979 erstmals die Arealstatistik erhoben wurde. Fruchtbare, während Jahrhunderten gebildete  Böden werden unwiderruflich versiegelt. Viele wertvolle Böden werden chemisch belastet, sie erodieren, werden verdichtet und verlieren durch all das an organischer Substanz und an Bodenbiodiversität.

Die Politik ist sich dieser Problematik durchaus bewusst – es gibt von ganz links bis ganz rechts niemanden, der diese Tatsachen verleugnen oder gar gutheissen würde. Und doch spricht die Politik nur immer indirekt vom Boden. Der Boden wird kaum einmal genannt. Die Politik diskutiert über die Landwirtschaft und deren Ausrichtung und damit auch über Ernährungssicherheit, sie diskutiert über Raumplanung, über Landschaftsschutz, über Hochwasserschutz, über Biodiversität und über den Klimawandel. Letztlich drehen sich diese Themenkreise immer um die gleichen Fragen: „Welchen Boden gilt es zu schützen?“ „Welchen Boden gilt es für welche Nutzung zu erhalten?“ Das Tragische daran: Wir wissen nicht einmal, wo sich welcher Boden befindet und wie wertvoll er ist.

1996 wurde die national koordinierte Bodenkartierung an der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt in Zürich-Reckenholz aufgehoben. Seither besteht keine nationale Stelle mehr, welche diese Aufgaben wahrnimmt. Dies im Gegensatz zu fast allen Ländern in Europa. Es fehlen dadurch einheitliche Referenzstandards, eine verbindliche Klassifikation der Böden in der Schweiz, eine national koordinierte Bodenkartierung usw.. Es ist ein fachlich inakzeptables Wirrwarr entstanden, welches die vereinzelt lokal erhobenen Daten unvergleichbar und somit unnutzbar macht. Das ist ineffizient, das ist teuer und der Schweiz unwürdig. Deshalb habe ich 2012 im Nationalrat die Motion für die Schaffung des Nationalen Kompetenzzentrums Boden eingereicht.

Sechs Jahre und drei Monate später haben wir nicht nur den politischen Prozess und die Annahme der Motion durch beide Parlamentskammern hinter uns, sondern auch die Verbreiterung des Diskurses auf die betroffenen Kreise, auf die Verwaltung und auf die Gesellschaft. Es war und es ist sehr spannend zu sehen, was mit dem Stein geschehen ist, den ich 2012 noch quasi als Einzeltäter angestossen habe, inspiriert von Leuten, die eben mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Der wichtigste Punkt: Es ist heute unbestritten, dass die Schweiz neben der Landestopographie, der Landesmeteorologie und der Landeshydrologie auch eine Landespedologie braucht. Der Schutz der fruchtbaren Böden braucht angemessene Bodeninformationen.

Nicht ganz einfach war wohl der Diskurs in der Verwaltung zur Schaffung des Bodenkompentenzzentrums. Der Bundesrat war seinerzeit gegen die Motion – mit der üblichen Begründung: kein Geld. Das Parlament hat dem Bundesrat dann erklärt, dass dieses KoBo Ineffizienzen beseitigt und Synergien nutzt und somit nicht kostet, sondern spart. Dies freilich ist für die einzelnen Departemente und Bundesämter, die halt trotzdem Ressourcen hergeben müssen, völlig unentscheidend. Nun gut, man hat sich gefunden und das KoBo wird, an der HAFL angesiedelt, in Betrieb gehen.

In dieser Zeit zwischen Genehmigung im Parlament und Inbetriebnahme des KoBo wurde ich als seinerzeitiger Initiant natürlich immer mal wieder angegangen bezüglich dem, was das KoBo tun und was es lassen soll. Ich hätte es ja sicher schon so gemeint, dass das Kompetenzzentrum Boden über dieses und jenes Bundesamt geführt werde. Ich hätte es ja schon so gemeint, dass dieser und jener Anspruch, dass dieser und jener Parameter in eine landesweite Kartierung einfliessen müsse. Ich verzichte darauf, hier jetzt einen vermeintlichen Experten zu markieren, der ich aber gar nicht bin – auch wenn genau dieses Vorgehen mitunter zu den Kernkompetenzen von Politikern gehört. Ich habe ganz zuerst vor allem einen Anspruch an das Kompetenzzentrum Boden: Es soll nicht Administration generieren, sondern Entscheidgrundlagen schaffen und somit Administration vermindern. So weit sind sich alle einig.

Die restlichen Diskussionen um die Ausrichtung des KoBo liegen ein Stück weit in der Natur der Sache. Die Bodenkartierung hat ja zum Ziel, Entscheidgrundlagen für die Abwägung von Partikularinteressen zu schaffen. Da ist es logisch, dass die Partikularinteressen sich im Voraus melden. Mir ist vor allem eines wichtig: Dass das KoBo, so anerkannt wie es nun ist, nicht gleich in diesen Diskussionen wieder zerrissen wird. Ich habe selbstverständlich die Diskussionen mitbekommen, die sich abspielen zwischen Experten, Ämtern und Bauernverband. Und ich habe selbstverständlich das Positionspapier Boden des SBV gelesen. Mein Nachredner wird dann sicher darauf eingehen.

Nun, es werden in Bundesbern tausende Vorstösse eingegeben und ich behaupte jetzt einfach einmal stinkfrech, dass der Titel meiner seinerzeitigen Motion einer der besser reflektierten war. Ich habe bewusst drei der wichtigsten Ansprechgruppen in den Titel genommen und ich habe sie bewusst in dieser Reihenfolge genannt: Landwirtschaft, Raumplanung, Hochwasserschutz. Die Landwirtschaft darf im Kompetenzzentrum Boden nicht einfach irgendeine untergeordnete Nachfragerin sein. Sie steht im Zentrum der Bemühungen des KoBo. Aber sie ist nicht die einzige Ansprechgruppe. Das KoBo soll ja eben Grundlagen liefern, welche den Interessen der Landwirtschaft im Entscheidungsfall Nachdruck gegenüber anderen Interessen liefern soll. Dass sich das KoBo auch der Forstwirtschaft, dem Hochwasserschutz, dem Grundwasserschutz, dem Naturschutz und der Biodiversität widmet, wird der Landwirtschaft nicht schaden, sondern nützen, weil wir eben endlich Grundlagen haben, um eine auf Fakten basierte Güterabwägung machen zu können.

Die Landwirtschaft darf und wird sich beim Thema Boden also nicht selbst genügen dürfen. Und gleichzeitig soll die Landwirtschaft auch nicht stehen bleiben, wenn es darum geht, die nachhaltige Produktion in der Schweiz zu erhalten. Die Klimaveränderung fordert nicht nur die Landwirte, sondern auch die Drainagesysteme, die überdies massiv in die Jahre gekommen sind. Da braucht es weiteres Knowhow und wenn Kollege Salzmann demnächst in Bern vorstössig wird, um auch für die kulturtechnische Bodenverbesserung ein Kompetenzzentrum zu verlangen, dann begrüsse ich das. Denn erst so kann dann auch das Kompetenzzentrum Boden seine volle Wirkung entfalten. Wir müssen wissen, wo die wertvollsten Böden liegen und wir müssen wissen, wie wir sie erhalten können.

Gute Böden und damit die nachhaltige schweizerische Nahrungsmittelproduktion nachhaltig erhalten. Das muss das Ziel des nationalen Bodenkompetenzzentrums sein – neben anderen Zielen, die diesem Ziel nicht zuwider laufen. Nachhaltig eben so, dass wir nicht jetzt in Unkenntnis der Böden die Erträge maximieren, um sie dann ein paar Generation später umso stärker zurückgehen zu sehen. Nachhaltig so, dass wir nicht in Unkenntnis der Böden produktives Land leichtfertig für andere Zwecke hingeben, um dann Generationen später zu merken, dass andere Varianten wesentlich besser die verschiedenen Ziele abgedeckt hätten.

In diesem Sinne bin ich dem Bauernverband dankbar, dass er seinerzeit meine Motion unterstützt hat und ich hoffe sehr, dass für die Landwirtschaft nun mit dem Kompetenzzentrum Boden auch ein echter Gewinn resultiert. Ich danke Ihnen für den Kampf für die nachhaltige Landwirtschaft und für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin einen spannenden Nachmittag mit angeregten Diskussionen und wertvollen Erkenntnissen.

Kategorie: Allgemein | Kommentar schreiben

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