Blog

Ich, der Samichlaus und die Dorffeste

Twittern | Drucken

Der Samichlaus hat mir gehörig den Kopf gewaschen. Ich könne ja gerne auswärts politisieren und Apéros geniessen, aber wenn in Herbetswil das Mattenfest des Turnvereins sei, dann hätte ich dort zu sein und nicht mit dem Gemeinderat am Bräteln, drang es mit aufgesetzter Strenge unter dem ebenso aufgesetzten Bart des Altturners hervor. Ich konnte mich zwar rauswinden, da ich trotz Gemeinderats-Bräteln über Mittag noch mit der Familie am Fest gegessen hatte. Die Botschaft aber war klar: Die Präsenz des Gemeindepräsidenten samt Entourage wird halt einfach mal verlangt.

Seit dem adventlichen Besuch habe ich es mir nun zum Sport gemacht, an Vernissagen, Blasmusikkonzerten und Vereinsjubiläen das Publikum zu scannen und zu schauen, wer denn diese Präsenz markiert. Meine Analyse: 90% der Anwesenden haben einen Jahrgang unter etwa 1968.

Irgendwo um Jahrgang 1968 hat es einen Bruch gegeben. Nachher kam die Spassgesellschaft. Wer vorher geboren wurde, hatte noch ein Ausgangsrayon und -angebot, das durch den Gäuanzeiger abgedeckt war. Ausgang in der Grossstadt war genauso unmöglich wie verpönt. Und ja: Brautschau gab’s nur auf der Tanzfläche, nicht im Internet.

Entstanden ist bei dieser Generation eine Dankbarkeit dafür, dass im Dorf ein Anlass auf die Beine gestellt wird, dass „mal etwas läuft“. Und in dieser Dankbarkeit war es eine Selbstverständlichkeit, dass man hingeht – bis heute.

Heute fehlt diese Dankbarkeit. Die Spassgesellschaft bietet schliesslich allerlei. Und die Dorfkultur kämpft vielerorts ums Überleben. Nicht einmal der Samichlaus konnte das verhindern.

Stefan Müller-Altermatt (Herbetswil) hatte als Kind eigentlich nie Probleme mit dem Samichlaus.

Kategorie: Allgemein | Kommentar schreiben

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück