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Migration auf der grossen Zeitachse betrachtet

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Wenn im Mittelalter in Nordfriesland eine Frau ein Kind von einem Nicht-Friesen erwartete, sah das Gesetz vor, dass sie „ins Watt gestossen werde“, sprich: brutal ersäuft wurde. Das Badische Landrecht von 1710 bezeichnet alle Fremden als „Landfahrer und dergleichen Lottergesinde“. Und der römische Naturwissenschaftler Plinius bekämpfte die griechischen Ärzte, obwohl diese den römischen weitaus überlegen waren – aber halt fremd.

Nun schreiben wir das Jahr 2018 und alles spricht von der Migrationskrise. Der Blick in die Geschichte lässt vermuten, dass wir nicht eine Migrationskrise haben. Die Migration ist eine Krise. Und sie war es schon immer. Der Mensch „fremdet“ halt, als Kleinkind wie als Greis.

Für die Politiker ist die Migration ein geniales Feld. Man kann es immer und ewig benutzen, um auszusagen, dass diejenigen, die Verantwortung tragen, komplett versagen, weil sie die Krise nicht lösen können – eine Krise, die mindestens seit Plinius‘ altem Rom anhält.

Derweil arbeiten Gemeinden, Kirchen, Vereine etc. daran, dass die Migration in ihrem Wirkungskreis keine Krisen verursacht. Diese Aufgabe, genannt Integration, ist eine Aufgabe, die weitaus schwieriger ist als das Poltern gegen die Verantwortungsträger. Sie gelingt nicht in jedem Fall. Über die letzten Jahrhunderte betrachtet kann man aber – man höre und staune – festhalten: Wir haben das geschafft.

Stefan Müller-Altermatt hat übrigens in eine Familie hineingeheiratet, die vor rund 500 Jahren als wandernde Walser Steinmetze aus dem Piemont ins Thal einwanderte.

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