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Wir sollten die Thujas niederreissen

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Herbetswil hat heute rund 15% weniger Einwohner als noch vor vierzig Jahren. Im Dreieck Zürich-Basel-Bern stellt das hintere Thal einen Anachronismus dar: Anders als in diesem Raum üblich, nehmen die Bevölkerungszahlen hier nicht zu, sondern ab.

Eigentlich müssten wir von den Nachbarregionen beneidet werden. Es soll ja zu viele Leute in der Schweiz haben, sagen uns die jüngeren Abstimmungsresultate.

Doch egal, mit wem ich rede, beneiden tut mich eigentlich niemand. Vielmehr fragen sich alle, ob denn durch den Bevölkerungsschwund nicht Probleme auftauchen, weil öffentliche Dienstleistungen verschwinden, die Leute in den Vereinen fehlen, die Alterspyramide nach oben verschoben ist.

Da frage ich zurück: Blühen denn die Dorfvereine in den wachsenden Agglomerationsgemeinden? Ist es nicht so, dass aus eben diesen Gemeinden die Läden in die grossen Einkaufszentren zügeln? Gibt es denn dort mehr Begegnungen als bei uns?

Ob ein Dorf lebt, hängt nicht von seiner Bevölkerungszahl ab, sondern von seiner Bevölkerung an sich. Leben verschwindet aus den Dörfern nicht nur, wenn junge Leute für ihren Job wegziehen müssen. Es verschwindet auch, wenn die Dorfmusik ihr Konzert vor halbleerem Saal spielt. Wenn der Stammtisch verwaist. Wenn man wegen der Thujahecke den Nachbarn nicht mehr sieht. Kurz: Wenn wir unseren Lebensstil überindividualisieren.

Wir sollten die Thujas niederreissen. Egal, wo sie stehen.

Kategorie: Allgemein | Kommentar schreiben

  1. Von: Lüthi Thomas|24.09.2014 - 09:03

    Gut gebrüllt Stefan.
    Ich würde vorschlagen, man pflanzt dann einen nicht allzu hohen einheimischen Tierlibaum-, Liguster oder Buchenhag. So sorgt man nämlich nicht nur im Dorf sondern auch im heimischen Garten für mehr Leben.

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