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Zum 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks

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Grusswort des Präsidenten des Netzwerks Schweizer Pärke anlässlich von „La Festa“, der Jubiläumsveranstaltung vom 1. August 2014

Sehr geehrte Damen und Herren

Im Namen des Netzwerks Schweizer Pärke und somit im Namen der Schweizer Naturpärke, Naturerlebnispärke und ganz besonders natürlich der beiden Nationalparkprojekte gratuliere ich dem Schweizerischen Nationalpark zu seinem hundertjährigen Bestehen.

Der Schweizerische Nationalpark ist für alle Pärke unseres Landes Vorbild und Wegbereiter. Während es die gesetzlichen Grundlagen für die „neuen“ Pärke gerademal seit 2007 gibt, wurde das Nationalparkgesetz bereits 1914 erlassen. Über neunzig Jahre lang ist im Unterengadin gewachsen, was heute zurecht auch andernorts angestrebt wird: Ein Nationalpark, der gleichsam regionale Identifikation und nationaler Stolz ist.

Es gibt aus Sicht des Netzwerks zwei Punkte in der Geschichte des Nationalparks, welche alles andere als selbstverständlich und deshalb besonders erwähnenswert sind:

Da ist zuerst die Entstehungsgeschichte des Nationalparks oder präziser gesagt die Entwicklung, welche die Bevölkerung rund um den Nationalpark durchmachen musste. Musste, nicht durfte. War die Schaffung des Nationalparks doch nichts anderes als ein hoheitliches Edikt, ein Befehl aus Basel und Bern, der ein Gebiet aus der Nutzung entliess oder besser gesagt: Es der Nutzung und der Hoheit der einheimischen Bevölkerung entzog. Trotz dieser geradezu imperialistischen Vergangenheit hegt heute niemand einen Groll gegen den Nationalpark. Man hat gelernt, mit und sogar vom Nationalpark zu leben. Der Schweizerische Nationalpark, das zeigt das Unterengadin der ganzen Schweiz, ist nicht nur ein Wildnisgebiet erster Güte, er ist auch ein Wirtschaftsfaktor.

Der zweite Punkt, den es aus Sicht der Pärke zu würdigen gilt, ist die Art und Weise, wie der Nationalpark mit den neuen Pärken umgeht. Nach hundertjährigem Bestehen, nach immenser Arbeit für diesen Park und eben auch nach Verzicht und Diskurs während all dieser Zeit würde man es verstehen, wenn die Region und die Verantwortlichen des Nationalparks diese neuen, jungen, unetablierten Emporkömmlinge in den anderen Regionen belächeln oder gar bekämpfen würde. Ich verspreche Ihnen, meine Damen und Herren, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Der Schweizerische Nationalpark beweist uns immer wieder, dass er sich auf und über seine jungen Geschwister freut. Der Nationalpark ist voll integriert in das Netzwerk Schweizer Pärke und die Nationalparkprojekte und die Naturpärke können immer wieder vom Knowhow des Nationalparks profitieren. Das geht soweit, dass sogar die Geoinformationsfachstelle sämtlicher Pärke hier in Zernez, beim Nationalpark angesiedelt wurde. Und wer dieser Tage mit dem Postauto in der Region unterwegs ist, Richtung Nationalpark und Biosfera Val Müstair, der fährt vielleicht mit dem Pärkepostauto. Das Postauto, welches dieses Jahr in allen Parkregionen unterwegs ist und die Zusammenarbeit der Schweizer Pärke, inklusive dem Schweizerischen Nationalpark, auf wunderbare Weise symbolisiert.

Eine Bevölkerung, welche stolz ist auf ihren Nationalpark und eine offene und kompetente Parkverwaltung. So erleben wir als Netzwerk Schweizer Pärke unseren Nationalpark. Wir nehmen uns diese beiden Zutaten zum Vorbild, um auch in anderen Regionen Nationalpärke realisieren zu können, namentlich in den beiden Projektregionen Adula und Locarnese. Die neuen Pärke sollen Bottom-up entstehen, freiwillig, von der Bevölkerung getragen und mit Leben gefüllt. Auch wenn die neuen Nationalpärke nicht genau gleich geartet sein werden wie der bestehende Nationalpark, auch wenn sie nur bescheidenere Ansprüche an den Natur- und Prozessschutz erfüllen werden, so sollen sie doch von Anfang an so lebendig sein und so getragen werden wie der Schweizerische Nationalpark heute.

Und wenn wir jetzt ein Geschenk zum Geburtstag überreichen, so versteht es sich von selbst, dass wir nicht ein totes Symbol mitbringen, sondern eben etwas, was das so wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben rund um den Park widerspiegelt. Wir bringen dem Nationalpark und explizit eben der Unterengadiner Bevölkerung und der Parkverwaltung einen Korb köstlicher Waren aus den Nationalparkprojekten Parco Nazionale del Locarnese und Parc Adula. Ich überreiche den Korb und sage von Herzen dazu:

Herzliche Gratulation, lieber Schweizerischer Nationalpark und herzlichen Dank an die Unterengadiner Bevölkerung und die Parkverantwortlichen. Wir danken euch als unsere Wegbereiter. Heute ist euer Tag, lasst es euch wohlergehen. Und für all das, was ihr leistet: habt herzlichen Dank!

Kategorie: Allgemein | Kommentare deaktiviert für Zum 100-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks

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