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Ich bin kein Gauner – und Christoph soll die Klappe halten

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Christoph Blocher nennt den Bundesrat, das Parlament und die Bundesrichter ein „Gaunersyndikat“. Man müsse dem Volk die Augen öffnen, sagt er. Gut, dann mache ich das mal – und erzähle, was ich als Gauner so die ganze Zeit tue.

Eines muss ich vorweg schicken: Es geht mir gut! – und zwar sowohl materiell wie auch immateriell. Alles, was ich tue, tue ich aus freien Stücken, ich habe vier gesunde Kinder, eine wunderbare Frau, viele Freunde und keinerlei materielle Sorgen. Was ich jetzt gleich schreibe, ist also keinesfalls als Gejammer aufzufassen.

Was also macht so ein „Gauner“ wie ich tagein, tagaus? Ich habe vier bezahlte Jobs: jenen als Nationalrat als Haupteinkommen, daneben bin ich Gemeindepräsident von Herbetswil, Präsident des Personalverbands transfair sowie Präsident des Netzwerks Schweizer Pärke. Zusammengenommen dürfte dies wohl in etwa einem Vollpensum entsprechen – oder auch etwas mehr, weil insbesondere das Gemeindepräsidium (Jahresgehalt 19‘000 Franken) zahlreiche Mandate ex officio mit sich bringt: Einsitz in der Gemeindepräsidentenkonferenz, im Vorstand des Naturparks Thal, im Vorstand der Kreisschule, im örtlichen Schulausschuss, in der Vereinsvereinigung und in diversen Arbeitsgruppen, die ad hoc je nach Projekt entstehen.

Meine unbezahlte Arbeit

Soviel zur bezahlten Gaunerarbeit. Relevanter erscheint mir hier aber die unbezahlte. Damit meine Wohnregion den Anschluss nicht verliert, engagiere ich mich – und man erwartet das hier auch von mir – für die zwei entscheidenden Verkehrsprojekte: als Präsident des „Vereins Linie 411“ (welcher den Weissenstein-Eisenbahntunnel gerettet hat) und als Präsident des „Komitees Pro Verkehrsanbindung Thal“ (welches für das Umfahrungsprojekt in der Klus kämpft). Beide Mandate sind alles andere als Repräsentationsmandate, sondern auch tatsächlich mit Arbeit verbunden. Im Sozialbereich bin ich Präsident des Patronatskomitees des „Vorstädtli Generationenhaus“ in Laupersdorf, im Artenschutzbereich Präsident des „Vereins Wisent Thal“. Genauso unbezahlt ist mein Mandat als Stiftungsrat des Ökozentrums Langenbruck, als Präsident der OdA Umwelt sowie jenes als Mitglied der Bioethik-Kommission der Schweizer Bischofskonferenz.

Vereinsmandate habe ich nur ein einziges, nämlich jenes des Aktuars des Natur- und Vogelschutzvereins Herbetswil. Ich war aber in den letzten drei Jahren gleich zweimal OK-Präsident von Musikfesten, nämlich von „125 Jahre Dorfmusik Herbetswil“ und von „100 Jahre Konkordia Wolfwil“. Bei beiden Jubiläen galt es nicht nur, Feste zu organisieren, ich musste zusammen mit den Vereinen auch Geld für zwei neue Uniformen und eine neue Fahne auftreiben. Ich betätige mich ausserdem auch als Moderator an den Konzerten und schreibe Zeitungsberichte dazu. (Natürlich musiziere ich auch selber; das hat aber mit Arbeit nichts zu tun.)

Neben den regionalen und den Vereinsmandaten gibt es noch die Arbeit in Partei und Politik. Mit einem Honorar versehen ist der Einsitz im Präsidium der CVP Schweiz. Unbezahlt hingegen sind das Vizepräsidium der CVP Kanton Solothurn, die Arbeit in der Parteileitung der CVP Thal-Gäu, die Präsidien der Parlamentarischen Gruppen „Musik“ und „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“, die Arbeit für die christlichsoziale Bewegung sowie das Verfassen von Positionspapieren für die Partei (von denen jenes zum Service Public und zur Digitalisierung unter meiner Leitung entstanden).

Die Gemeinschaft, der Baustein des Glücks,…

Zusammengenommen heisst das: Ich bin keinen Abend der Woche zuhause und arbeite kaum einen Tag unter zwölf Stunden. Und das alles für ein steuerbares Einkommen zwischen siebzig- und hunderttausend Franken (je nach Investitionen in unser altes Haus) – wobei neben dem Einkommen noch grosszügige Spesen sowie ein Erstklasse-GA für das Nationalratsmandat hinzukommen. Wie gesagt: Es geht mir gut. Es geht mir so gut, dass ich dank einem einigermassen bescheidenen Lebensstil das gute Nationalratshonorar einsetzen kann, um andernorts meine Kräfte unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Daraus resultiert eine Menge Arbeit, die ich mit viel Leidenschaft zum Wohle unserer Gemeinschaft leisten kann. Das erfüllt mich und macht mich glücklich, weil ich mich dadurch auch in unserer Gemeinschaft geborgen weiss – und dieses Gefühl ist einer der wichtigsten, wenn nicht überhaupt der wichtigste Baustein des Glücks.

…wird von Blocher und der SVP frontal angegriffen

Ich mache nichts anderes, als mich für unsere Gemeinschaft einzusetzen. Und ich weiss, dass Dutzende andere Menschen innerhalb und ausserhalb des Parlaments aus der gleichen Motivation heraus arbeiten. Wegen eines internationalen Abkommens, das es noch gar nicht gibt, bezeichnet Christoph Blocher diese Menschen nun als „Gaunersyndikat“. Es ist aber sowieso egal, in welchem Zusammenhang Blocher den Begriff gebraucht hat. Es ist sowieso ein Angriff auf diese Menschen und auf ihr Engagement für unsere Gemeinschaft. Ja, es ist ein Angriff auf unsere Gemeinschaft per se. Er reitet diesen Angriff einzig und alleine deshalb, weil er Stimmen für seine Partei sammeln will. Eine Partei, deren Programm einzig noch aus Diffamierung und Verschwörung besteht. Wer sich engagiert und durch dieses Engagement Verantwortung übertragen bekommt, der wird von der SVP diffamiert. Wer will da noch Engagement an den Tag legen und Verantwortung übernehmen?

Ich bin nicht persönlich verletzt, weil ich von Blocher als „Gauner“ bezeichnet werde. So viel Distanz zum Politgeschäft muss man haben. Aber man soll ja dem Volk die Augen öffnen, hiess es. Im Wissen, um das was ich wirklich tue, nehme ich mir also das Recht heraus, die Augen zu öffnen und zu sagen, was gesagt werden muss. Zusammen mit allen, die sich ehrlich und mit viel Uneigennützigkeit für unsere Gemeinschaft einsetzen, darf ich sagen: „Christoph, halt die Klappe!“

Kategorie: Allgemein | Kommentar schreiben

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